Das Hersfelder Obdachlosenasyl bietet Schutz in allen Jahreszeiten
Hoch „Cooper" bringt uns russische Kälte. Besonders leiden die darunter, die sich nicht zurückziehen können. In Bad Hersfeld finden Obdachlose Unterschlupf.
BAD HERSFELD. - Egal wohin man geht, überall wird sich beschwert. Wochen nach dem offiziellen Beginn des Winters ist er erst wirklich zu spüren. Und das gleich bei bis zu minus 20 Grad. Hoch „Cooper" hat ganz Europa im Griff und hat schon mehr als 80 Todesopfer gefordert. Glücklich, wer sich da ins warme Zuhause zurückziehen kann.
Wer das nicht kann, schwebt in Lebensgefahr. „Wenn Obdachlose bei diesen Temperaturen draußen sind, setzten sie sich der Gefahr aus, zu erfrieren", erklärt Werner Steidel, Leiter des Fachbereichs Bürgerdienste bei der Stadt Bad Hersfeld. Am „Wassermannseck" in der Friedloser Straße finden die Obdachlosen Schutz vor der Kälte. Bis zu 20 Menschen können hier aufgenommen werden. Die zehn Räume sind ausgestattet mit Heizlüftern und Waschgelegenheiten. „Jede Kommune ist verpflichtet, die Obdachlosen unterzubringen", erklärt Steidel. Mit der Notunterkunft kommt Bad Hersfeld dieser Pflicht nach. Für Frauen und kleinere Familien gibt es zudem zwei Wohnungen in der Wehneberger Straße. Für Obdachlose sind diese Unterkünfte überlebenswichtig, so erscheint es zumindest außenstehenden Betrachtern. Doch momentan sind nur vier Menschen im Flachbau in der Friedloser Straße untergebracht. „Viele Obdachlose wollen diese Angebote nicht nutzen", erklärt Steidel. Die meisten Bewohner seien „Stammgäste", andere nehmen das Angebot nur selten in Anspruch. „Wenn es noch länger so kalt bleibt, suchen vielleicht noch mehr Unterschlupf. Dann, wenn es gar nicht mehr auszuhalten ist", mutmaßt Werner Steidel. In manchen Zeiten sei das Obdachlosenasyl auch schon voll besetzt gewesen. Vor allem während des Lullusfests kommen viele Obdachlose, die durch Deutschland reisen, nach Bad Hersfeld. Wer eine Unterkunft sucht, muss sich beim Ordnungsamt melden. Hier ist Rainer Michael Lepper der zuständige Sachbearbeiter. Er hat schon viele Geschichten gehört. „Jeder der Obdachlosen hat eine individuelle Geschichte. Viele können sich nicht anders helfen, weil sie beispielsweise Messies sind", erklärt er. Wieviele Menschen wirklich als Obdachlose auf den Straßen der Region leben, weiß man nicht genau. Die meisten seien Reisende, schildert Steidel. Genauso unklar ist es auch, wieviele sich vor der arktischen Kälte rechtzeitig in Asyle wie das Hersfelder retten können.(ab)
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