Exklusiv-Gespräch mit Top-Kabarettist Bernd Stelter
Er ist einer der renommiertesten Kabarettisten und Comedians Deutschlands: Bernd Stelter. Im Vorfeld seines Auftritts in Bad Hersfeld hatte der KLARTEXT Gelegenheit, mit dem Künstler zu sprechen.
BAD HERSFELD / KÖLN. - Fernsehmoderator, Radiomoderator, Stammbesetzung bei „Sieben Tage, sieben Köpfe", Sänger, Entertainer, Comedian, Kabarettist: Bernd Stelter scheint auf allen Kanälen gleichzeitig zu laufen. 40 TV-Shows pro Jahr, 80 Tourneeauftritte, zwei Monate Karneval, daneben auch noch ein Buch geschrieben, das es in die Bestseller-Liste geschafft hat - Stelter ist ausgebucht. Der Tag muss mehr als 24 Stunden haben für einen solchen Workoholic.
„Ich bin ganz gut organisiert", lacht der gebürtige Westfale. „Ich habe ein Terminbuch. Wenn ich für Dienstagmorgen zwei Stunden Sport eintrage, dann mache ich auch Sport." Diszipliniert ist er. Hat 32 Kilo (!) abgenommen. „Neun sind aber wieder drauf. Weil ich mit dem Rauchen aufgehört habe. Das schlägt sich auf der Hüfte nieder."
Bürgerlichen Beruf gelernt
Abitur, Studium der Volkswirtschaft: „Um mein Studium zu finanzieren, bin ich durch die Kölner Kneipen getingelt und habe dort Musik gemacht." In der Karnevalszeit konnte sich Stelter vor Anfragen kaum retten. Dennoch studierte er fleißig weiter. Seine Diplom-Arbeit wurde mit einer Eins benotet. „Und dann stand ich auf einmal vor der Entscheidung. Abschlussklausuren schreiben? Oder den künstlerischen Weg weitergehen?" Ein halbes Jahr hätte er gebraucht, um die Klausuren hinter sich zu bringen. „Damals war ich aber schon so gut im Geschäft, hatte Fernsehauftritte, war Gast im legendären Senftöpfchen - es lief alles sehr gut. Also verzichtete ich auf die Klausuren und beendete mein Studium ohne offiziellen Abschluss."
Zum Glück für seine Fans. Aus dem Büttenredner, Sänger und Komödianten reifte ein Kabarettist. „Ich war schon immer ein politischer Mensch, sagt Stelter. Auslöser war eine Klassenfahrt. „Wir fuhren nach Berlin, und ich nahm zum ersten Mal wahr, dass diese Stadt eingemauert war. Das ließ mich nie in Ruhe."
Einschneidendes Berlin
Noch während seiner Schülerzeit produzierte Stelter zwei Schallplatten mit politischen, kritischen Liedern. „Das waren Auflagen von vielleicht 600 Exemplaren. Die sind schon seit vielen Jahren ausverkauft - sie werden heute sehr hoch gehandelt", sagt er. Der „Berliner Kreis" schloss sich für Bernd Stelter 1989. „Ich war auf Einladung von Ulrich Schamoni in Belin, sollte auf einer Bühne auftreten, nach Evelyn Künnecke. Die war ja eine echte Legende, und ich stand neben der Bühne und dachte: was soll ich hier?" Der Auftritt fand nicht statt. Kurz bevor Stelter auf die Bühne sollte, war das Theater leer: Es war der 9. November 1989, die Mauer war gefallen. „Das war so unglaublich, ergreifend, wunderbar. Und ich war mittendrin." Sein Freund Ulrich Schamoni feierte an diesem Tag übrigens seinen 50. Geburtstag.
Befriedigende Arbeit
Das Karnevals-Image, das Bernd Stelter trägt, ärgert ihn nicht, obwohl es verdrängt, dass er bei seinen Auftritten nicht nur viel musikalischer, sondern auch tiefgründiger ist. „Mein Job ist eine sehr befriedigende Arbeit", sagt Stelter. „Es gibt doch gar nichts schöneres, als Menschen zum Lachen zu bringen - und die Bühne ist ganz klar meine Heimat." Er liebt den unmittelbaren Kontakt zu seinem Publikum, sagt von sich selbst: „Ich bin eine Rampensau!" Nach einem Auftritt fühlt sich Stelter an das Gefühl seiner Kindheit erinnert. „Wir waren mit der Familie auf dem Kartoffelacker. Wenn alle Kartoffeln geerntet waren, das Kartoffelfeuer brannte, die Knie aufgescheuert waren und alle Knochen wehtaten - das war ein tolles Gefühl. Die Arbeit war geschafft, das Ziel war erreicht, und man konnte mit dem Ergebnis des Tages rundweg zufrieden sein."
Leben selbst schwer gemacht
Ob er mit seinem Leben zufrieden ist? „Ich habe eine wunderbare Familie, den tollsten Job der Welt. Sagen wir mal, ich bin auf dem besten Weg zur Zufriedenheit. Denn wenn man ganz zufrieden ist, dann will man ja keine Ziele mehr erreichen und strengt sich nicht mehr an. Das wäre falsch!"
Auf seinen Auftritte in Bad Hersfeld freut sich der Top-Comedian bereits jetzt. Sein Bühnenprogramm: „Mundwinkel hoch". „Das ist absolut wörtlich gemeint", sagt Bernd Stelter. „Wir jammern nur noch rum, schauen uns im Fernsehen den letzten Mist an und ziehen uns am Computer die schlimmsten Horror-Nachrichten rein. In Wirklichkeit ist es doch alles gar nicht so. Wirtschaftlich ging es uns noch nie so gut wie heute. Das werde ich beweisen - und die Leute werden einen Riesenspaß dabei haben." Ob der Bühnen-Stelter bei seinem Auftritt noch mehr über den privaten Stelter preisgibt, zum Beispiel, ob er tatsächlich mit dem Wohnwagen Urlaub in Holland macht? Lassen Sie sich überraschen. Bernd Stelter tritt am 22. März in der Bad Hersfelder Stadthalle auf. Karten gibt's im Vorverkauf beim Klartext, der Brillenschmiede, der Hoehlschen Buchhandlung sowie unter der Ticket-Hotline 06102 / 77665. |