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Oberstleutnant Uwe Reinhardt. Montage: TrautweinRotenburgs neuer Kommandeur im KLARTEXT-Interview

Anlässlich des Neujahrsempfangs in der Alheimer Kaserne sprach KLARTEXT mit dem neuen Kommandeur Uwe Reinhardt über seine neue Wirkunsstätte, deren kommende Schließung und seine Wünsche für die Zukunft seiner Soldaten.

KLARTEXT: Herr Oberstleutnant Reinhardt, der Neujahrsempfang ist eine Ihrer ersten öffentlichen Amtshandlungen als neuer Rotenburger Bataillonskommandeur. Haben Sie sich seit Ihrem Kommandoantritt im Oktober bei uns schon etwas eingelebt?

Reinhardt: Im Rahmen meiner neuen Tätigkeit als Kommandeur habe ich bereits Kranzniederlegungen in Rotenburg und auf dem Alheimer durchgeführt. Im Dezember habe ich den Verband beim Empfang des hessischen Ministerpräsidenten vertreten. Vor dem Neujahrsempfang habe ich die Übergabe der 5. Kompanie im Rahmen eines Bataillonsappells mit öffentlicher Beteiligung durchgeführt. So gab es schon mehrere öffentliche Amtshandlungen und das Alltagsgeschäft hat mich sehr schnell eingeholt. Sowohl meine Soldaten, als auch die Region, haben es mir dabei sehr leicht gemacht. Der Empfang und Umgang war immer zuvorkommend, offen, ehrlich und freundlich. Also, ja, ich habe mich schon gut eingelebt!

KLARTEXT: Was zeichnet die Region und die Menschen Ihrer Ansicht nach aus?

Reinhardt: Ich habe nun mehr als 20 Jahre Erfahrung als Soldat. Ich bin aber noch nie so freundlich und offen aufgenommen worden wie hier in der Region. Man erkennt, dass die Bundeswehr hier gerne gesehen ist und ich fühle mich wohl, wenn ich mich in Uniform in der Öffentlichkeit bewege. Die zahlreichen Patenschaften meiner Kompanien unterstreichen das gute Verhältnis zwischen Bundeswehr und Öffentlichkeit. Auch die Reservistenarbeit hier trägt besondere Früchte. So konnte hier (nur) mit der Hilfe von Reservisten der Hochschule Fulda das Führungsunterstützungsbataillon 286 zur CISCO NETWORKING ACADEMY zertifiziert werden. CISCO ist der bedeutendste Hersteller Netzwerktechnik. In Deutschland gibt es ca. 450 CISCO NETWORKING ACADEMIES, im Geschäftsbereich BMVg sind wir jedoch die einzige aktive Ausbildungseinrichtung.

KLARTEXT: Sie übernehmen ein schweres Erbe, da das Aus der Alheimer Kaserne beschlossene Sache ist. Wie gehen Sie damit um?

Reinhardt: Die Reform und Neuausrichtung der Bundeswehr ist wichtig und erforderlich und stellt die notwendige Konsequenz der Änderung der Umwelt dar. Ereignisse wie der 11. September 2001, oder aktuell der Arabische Frühling, verändern die sicherheitspolitische Lage. Die Weltwirtschaftskrise hat auch Niederlande, Frankreich, Großbritannien dazu bewegt ihre Streitkräfte umzustrukturieren. Auch die Bundeswehr muss Geld sparen. Technologien ändern sich, so bildet die USA heute bereits mehr „Joystick-Piloten" für „Unbemannte Luftfahrzeuge" aus als herkömmliche Piloten. Die Wehrpflicht wurde ausgesetzt. Die Ausbildung der IT-Feldwebel wird durch die Komplexität der Systeme immer länger und anspruchsvoller. Einsatzerfahrungen führen zu einem völlig neuen Schießkonzept mit höherer Qualifikation. Logistik-Prozesse und -Verfahrensweisen ändern sich mit der Einführung neuer zentraler SAP Software aus der Industrie in die Bundeswehr. Die Bundeswehr muss auf diese Änderungen reagieren und sich neu ausrichten. Die Reformen haben die Bundeswehr im letzten Jahrzehnt geprägt. Wir hatten Reformen 2001, 2004 und 2011 und dabei keine Struktur vollständig eingenommen bevor eine Reform angestoßen wurde. Insgesamt wurden in diese Phase entschieden knapp 200 Standorte zu schließen. Ein Schritt hat dabei zur Auflösungsentscheidung der Alheimer Kaserne geführt. Das habe ich vorher nicht gewusst und mir auch nicht gewünscht. Es ist im Rahmen der Reform auch nur ein Schritt, für die betroffenen Menschen –für uns - und die Region jedoch wesentlich. Mein Schwerpunkt dabei ist meine Soldaten bestmöglich zu informieren und durch weitere Ausbildungen für einen Wettbewerb untereinander bestmöglich aufzustellen.

KLARTEXT: Wird es wegen der Schließung im zukünftigen militärischen Alltag Veränderungen geben?

Reinhardt: Unsere Aufträge sind unverändert. Eine Feinplanung mit konkreten Auflösungsterminen wird dem Minister im April 2012 zur Entscheidung vorgelegt. Ab diesem Zeitpunkt hoffe ich den Verband besser auf die Reform ausrichten zu können. Die Reform ist bis 2017 ausgelegt, sodass die Alheimer Kaserne irgendwann in diesem Zeitfenster bis 2017 betroffen sein wird.

KLARTEXT: Bevor die Alheimer Kaserne geschlossen wird, gehen noch Jahre ins Land. Was wünschen Sie Ihren Soldaten bis dahin?

Reinhardt: Ich habe nur einen Wunsch, dass alle meine Soldatinnen und Soldaten wohlbehalten, gesund und munter aus den Einsätzen zurückkommen.

Das Interview führte Johannes Hofsommer

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