Augen nach rechts - alles andere ist egal! PDF Druckbutton anzeigen? E-Mail
Geschrieben von: Dirk Lorey   
Eine braune Bande aus Thüringen zog über Jahre marodierend durch Deutschland. Drei durchgeknallte, extrem gewaltbereite Neonazis suchten sich wahllos ihre Opfer aus und richteten sie hin. Für die Angehörigen der Ermordeten muss der Begriff Rechtsstaat, mit dem sich Deutschland schmückt, wie Hohn anmuten. Denn nach unbestätigten Informationen waren im Umfeld mehrerer Tatorte Polizisten anwesend, die von den Schlapphüten zurückgehalten wurden. Ein Unding, das Menschenleben gekostet hat, Familien und Vertrauen zerstörte und ein sehr merkwürdiges Licht auf Geheimdienste wirft. Also schickt sich Deutschland jetzt an, das „rechte Verbrechen" auszurotten.

Augen nach rechts, alles andere ist egal. Wie so oft reagieren alle Verantwortlichen mit einer besonderen Hysterie. So unermesslich schlimm die Mordserie von Beate Zschäpe und Konsorten auch ist: So zu tun als gäbe es einen Neonazi-Tsunami, der die ganze Republik bedroht, ist blanker Unsinn. Durch den Medien-Hype wird eine Mordserie gar zum Anlass genommen, eine neue „Braune Armee Fraktion" zu vermuten, die als bundesweit tätige Untergrund-Organisation marodierend durch die Lande zieht und alles niedermäht, was nicht ins verschobene Weltbild passt. Die Gefahr für unsere innere Sicherheit lauert aber bei weitem nicht (nur) in der tumben Neonazi-Ecke. Durch die Sensationsberichterstattung auf allen Kanälen ist ein Feuer angezündet worden, das den Blick auf andere Gefahren mit viel größerem Bedrohungspotenzial schlicht (aus)blendet.

Laut Heinz Fromm, dem Chef des Verfassungsschutzes, lauert die größte Gefahr für unsere innere Sicherheit zurzeit im religiös-fundamentalistischen Terrorismus. Die Gewaltbereitschaft und Organisationskraft, die von Fundamental-Islamisten ausgeht, ist weit größer als das, was von den von V-Leuten durchsetzten, tumben Neonazis ausgeht. Es sind aber bei Weitem nicht nur die gewaltbereiten Eiferer, die die ganze Welt zu einem „Gottesstaat" machen, Frauen in Burkas stecken, Bildungssysteme abschaffen und die Scharia einführen wollen und nach dem „arabischen Frühling" immer mehr Zulauf bekommen. Ebenso gefährlich wie die braunen Gesellen sind auch diejenigen, die sich „Autonome" nennen. Waren es früher lediglich Großstädte wie Hamburg oder Berlin, in denen die Autos gebrannt haben, so wird jetzt auch in kleineren Orten, wie zum Beispiel Oldenburg, kräftig gezündelt. Auffällig auch, dass zum Beispiel bei NPD-Demonstrationen vielleicht 200 braune Gestalten ihre dummen Sprüche skandieren, aber friedlich bleiben. Die Gewalt bei solchen Veranstaltungen geht regelmäßig von den zahlenmäßig weit größeren „Gegendemonstranten" aus - von dort fliegen die Steine.

Neben Rechts-, Links- und Religionsterrorismus gibt es ein weiteres Feld, von dem Aufmerksamkeit abgezogen wird: Das organisierte Verbrechen. Ein offenes Geheimnis sind „No go"-Areas, die noch nicht einmal mehr von der Polizei betreten werden. Wenn Deutschland nicht in die Anarchie abrutschen soll, gilt eins: Straftaten müssen verfolgt und geahndet werden, vollkommen unabhängig von der politischen Ausrichtung ihrer Täter. Derzeit aber schauen alle Augen nur nach rechts - das öffnet neue Möglichkeiten für all diejenigen, die aus einer anderen Richtung kommen.

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