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| Ist es das, was wir am Todesstreifen wollten? |
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| Geschrieben von: Dirk Lorey |
Mit einem Sternmarsch und einer Feierstunde wird am kommenden Mittwoch in Philippsthal dem Tag der Grenzöffnung am 9. November 1989 gedacht. Es war einer der größten Tage, die unsere Region je erlebt hat. Endlich war sie offen, die Grenze, die die beiden Nachbarstädte, Philippsthal in Hessen und Vacha in Thüringen, getrennt hatte. Der eiserne Vorhang hatte an dieser Stelle exemplarisch gezeigt, wie pervers die deutsch-deutsche Teilung war. Zwei Städte, ganz Deutschland und die ganze Welt waren zweigeteilt durch den Todesstreifen, der sich wie ein Krebsgeschwür von Nord nach Süd durch unser Vaterland gezogen hatte.
Es war ein langer Weg hin zu diesem Tag. Im Osten hatte die Bevölkerung die Nase gestrichen voll von dem Unrechtsregime unter Despoten wie Walter Ulbricht oder Erich Honecker. Die Menschen litten unter einem System, das für Unfreiheit, Unterdrückung, Bespitzelung und die Allmacht eines Staates stand. Die Menschen in der DDR wollten etwas anderes. Sie wollten Freiheit, Mitbestimmung, Demokratie. Sie wollten sich nicht mehr länger von einer Regierung gängeln lassen, die selbst vor den Schlafzimmertüren ihrer „Staatsfeinde" im eigenen Land nicht Halt machte. Was ist aus dieser so machtvollen Demokratiebewegung eigentlich geworden? Wo sind sie hin, die Helden, die unter Einsatz ihrer gesamten Existenz und wohl auch ihres Lebens dafür gekämpft hatten, dass ein ganzes Volk nicht mehr unterdrückt wird? Was sagen die Freiheitskämpfer der DDR eigentlich zu dem Deutschland und dem Europa, in dem sie heute, 22 Jahre danach, leben? Die Welt hat sich verändert in der Zeit „danach". Der weltweite euphorische Jubel, das glückliche „Wir"-Gefühl, das keine Staatsgrenzen mehr kannte, das Ende des kalten Kriegs und der gegenseitigen Bedrohung der Weltmacht-Systeme, ist der Ernüchterung gewichen. Längst jubelt keine andere Nation mehr mit uns, die wir die Freiheit neu gewonnen hatten. Und wir selbst beschäftigen uns nicht mehr mit den Menschen, mit der Freiheit und dem Weg zum Glück in einer gerechten Gesellschaft. Unser Alltag wird mittlerweile von einer unsäglichen Diskussion um die Rettung dieses erbärmlichen Euro bestimmt, der Europa nicht eint, sondern im schlimmsten Maße spaltet. Verheerender als Griechenland es zeigt, kann es kaum noch werden. Heute hüh, morgen hott. Alles, aber auch wirklich alles, wird dem Kampf um die Einheitswährung geopfert, koste es was es wolle. Und wenn es den Menschen in Europa noch so viele Nachteile auf allen Ebenen, von der Gesundheitsversorgung über die Kultur bis zur Rente bringt. Hätten sich die Freiheitskämpfer der DDR so etwas in ihren kühnsten Träumen vorstellen können? War das das Ziel von Staatsmännern wie Helmut Kohl oder Michail Gorbatschow? Heute werden wir, ohne es zu merken, im vereinten Deutschland noch viel mehr bespitzelt als im ehemaligen Stasi-Reich. Der Jubel der Staatsmänner, dass ein Referendum in Griechenland auf staatliche Anordnung abgeblasen wurde, muss im Herz eines jeden Demokraten schlimmste Schmerzen auslösen. Denn er bedeutet nichts anderes, als dass die Politiker überhaupt nicht wissen wollen, was das Volk will. Sie interessieren sich nicht für unsere Belange oder die unserer europäischen Nachbarvölker. Unsere Staatslenker sind nur ein einem interessiert: Ihrer Machterhaltung und der Durchsetzung der Interessen der globalen Wirtschaftsunternehmen. Volk und Volkesmeinung sind für die Politik genauso bedeutungslos wie die leere Worthülse Demokratie. Ist es das, was wir vor 22 Jahren am Todesstreifen zwischen Philippsthal und Vacha wollten? Ihre Meinung? Mailen Sie mir: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. .« |