Klartext
Wer bestellt, der bezahlt! PDF Druckbutton anzeigen? E-Mail
Geschrieben von: Dirk Lorey   

Herr Ober, noch ein Bier. Bestellt hat man schnell, und der Schoppen ist fast noch schneller ausgetrunken. Griechenland ist seit 2001 Stammgast in der europäischen Währungsunion. Und seither hat die hellenische Regierung gezecht auf Teufel komm raus, ist aber die Rechnung schuldig geblieben. Den Eintritt in die Kneipe haben sich die Griechen dreist erschwindelt. Das fröhliche Zechgelage geht immer weiter. Als Erfolgsmeldung kündigt Griechenland jetzt an, dass 1.900 Rentenzahlungen an Tote gestoppt wurden - Irrsinn Europa. Die Idee des europäischen Staatenbundes funktioniert nicht, weil die Solidargemeinschaft dauerhaft ausgehebelt wird. Der Maastricht-Vertrag, in dem Schuldenobergrenzen festgelegt wurden, ist nicht das Papier wert, auf dem er geschrieben steht.

Vor einigen Jahren war es noch eine Horror-Meldung, wenn ein Mitgliedsstaat einen „blauen Brief“ bekommen hat. Heute nimmt man in der Schuldengemeinschaft nicht einmal mehr Notiz davon. Die juristische Grundregel „Pacta sund servanda“ (lat.: Verträge sind einzuhalten) schert keine einzige Regierung. Kein Wunder: Es gibt ja den Rettungsschirm, der immer groteskere Ausmaße annimmt. Er wird immer größer und riskanter. Im März soll entschieden werden, ob die mittlerweile 500 Milliarden zur Rettung des Euro in dem 11,2 Millionen Einwohner zählenden Land überhaupt ausreichen. Da mutet die Aussage von Bundesfinanzminister Schäuble, man dürfe den Betrag nur weiter erhöhen, wenn „Griechenland kein Fass ohne Boden ist“ wie ein Witz an. Bitteschön, Herr Schäuble, als was soll man es denn sonst bezeichnen?

Was aber ist schon Geld? Es gibt ja Deutschland als führende Kraft der Wirtschafts- und Währungsunion, das auf Betreiben seiner Bundesregierung die Bürgschaftsbeträge immer weiter erhöht. Die Europäische Zentralbank, die ursprünglich dazu gedacht war, den Euro stabil zu halten, lässt die Druckmaschinen heiß laufen und handelt mit Staatsanleihen. Sie verkommt zur „Bad Bank“. Man hat beinahe den Eindruck, dass kurz nach der letzten Rate der deutschen Reparationszahlungen aus dem ersten Weltkrieg nun ein neues, viel größeres Loch gefunden wurde, in das wir nun immer mehr einzahlen müssen.

Die fünfte Reise von Kanzlerin Merkel nach China hat zwei wesentliche Gründe. Zum ersten sollen die Handelsbeziehungen ins Reich der Mitte vertieft werden, um Deutschland als Export-Nation das Überleben zu sichern. China ist mittlerweile für viele Experten der wichtigste Handelspartner Deutschlands. Folge dieser extremen Abhängigkeit: Wenn China hustet, leidet unsere Wirtschaft an Lungenentzündung. Der zweite Grund: Merkel macht Werbung für den Euro. Das muss sie auch, denn das Riesenreich mit seinem ungeheuren Potenzial soll als Rettungsanker herhalten.

Deutlicher kann es nicht werden: Das „System EU, der völlig entfesselte Börsenkapitalismus und die extremen sozialen Hängematten sind weit überdehnt, das gesamte System wird implodieren. Retten kann uns überhaupt nur eins. Nämlich die Rückkehr zu dem guten alten Grundsatz: Wer bestellt, der bezahlt.

 

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