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Thomas Rudolff, IHK-Geschäftsführer.IHK-Geschäftsführer Thomas Rudolff zum Konjunkturbericht 2012

Klartext: Der erste Konjunkturbericht 2012 liegt vor. Wie ist denn die Lage?

Thomas Rudolff: Das Glas ist halb voll und nicht halb leer. Es hat im Vergleich zur Herbstum-frage eine kleine Eintrübung im IHK-Klimaindex gegeben. Der Index steht aber mit 113,5 Punkten immer noch sehr gut da. Letztlich eine gute Umfrage.

Klartext: Was sind denn die Kernaussagen?

Thomas Rudolff: Die aktuelle Lage wird von den Unternehmen als gut bis sehr gut bewertet. Die zukünftige Entwicklung wird aber skeptischer betrachtet. Die minimalen Verluste im Kli-maindex sind ausschließlich über die Zukunftserwartungen zustande gekommen. Es ist viel Unsicherheit im Spiel.

Klartext: Macht Ihnen das nicht Angst?

Thomas Rudolff: Nein, denn wenn man sich Teilergebnisse anschaut, dann kommt man zu anderen Schlussfolgerungen. Die Investitionstätigkeit bleibt hoch, die Nachfrage nach Arbeitsplätzen bleibt auf hohem Niveau und das Auslandsgeschäft ist absolut intakt. Insofern denke ich, dass hier viel Psychologie im Spiel ist. Das ist auch bei manchen Nachrichten nachvollziehbar. Die Politik ist hier gefordert, endlich eine erkennbare Linie zu fahren. Ver-trauen ist das wichtigste Momentum in der Wirtschaft.

Klartex: Also wird 2012 so gut wie 2011?

Thomas Rudolff: Das mit Sicherheit nicht. Wir müssen uns mit deutlich geringeren Wachstumszahlen anfreunden. Das ist aber durchaus nach den beiden Boomjahren 2010 und 2011 auch gesund. Wichtig ist, dass wir nicht in eine Rezession abgleiten. Das sehe ich im Moment nicht.

Klartext: Welche Rolle spielt die Binnennachfrage?

Thomas Rudolff: Eine wichtige! 2010 und 2011 hatten wir jeweils ein Wachstum von 3 %. Schaut man sich die Zahlen im Detail an, dann erkennt man, dass die Binnennachfrage 2011 sehr stark zu diesem Ergebnis beigetragen hat. Die Bedeutung wird 2012 zunehmen, da die Weltkonjunktur schwächelt.

Klartext: Was begünstigt die Binnennachfrage?

Thomas Rudolff: In erster Linie ein stabiler Arbeitsmarkt. Hier sehe ich aktuell keine Gefah-ren. So verrückt es klingt, die aktuelle Staats- und Finanzkrise unterstützt auch die Binnennachfrage. Viele Zinssätze für Sparer liegen unter der Inflationsrate. Also „Geldparken" kommt oft „Geldvernichtung" gleich. Der aktuelle Boom nach Immobilien ist ebenfalls der Unsicherheit geschuldet.

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