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Trauerstück der Demokratie |
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Freitag, den 27. April 2012 um 16:01 Uhr |
Angemerkt von Johannes Hofsommer
Erst raubte man ihre Straßennamen und dann sogar ein Stück der Würde. Die Bürgerversammlung in der Stadthalle glich eher dem Aufzwängen einer gefassten Meinung des Stadtparlaments, als einer lösungsorientierten Handlung im Sinne der Bürger. Ein bedauerliches Zeugnis davon, dass selbst die hochgepriesene Demokratie nicht frei von Fehlern ist. Anstatt die Menschen, die in erster Linie von der Entscheidung der Namensänderungen betroffen sind zu befragen und mit ihnen gemeinsam darüber zu diskutieren, wurde diesen eine pseudo-historische Lehrstunde über die Herkunft der Namen erteilt. Eine Lehrstunde, die nicht nur weit am Ziel vorbeischoss, sondern das Thema völlig verfehlte. Denn es ging den Anwohnern nicht darum gewissen Personen durch die Straßennamen eine Ehre zu erweisen, sondern vielmehr darum, einen Teil ihrer eigenen Identität zu wahren und finanzielle Einbußen zu verhindern. Sträflich wurde dieser nur allzu menschliche Anspruch missachtet. Gerade von Stadt-Politikern, die sich aktuell mit Büsten deutscher Könige wie Karls des Großen in Szene setzen lassen, dessen Beiname „der Sachsenschlächter" nicht von ungefähr kommt. „Der Wille des Menschen ist anderen Menschen in der bürgerlichen Gesellschaft unterworfen", schrieb einst der deutsche Philosoph Christian Thomasius und beschrieb damit weit vor unserer Zeit das Verständnis der parlamentarischen Demokratie. „Doch der Verstand erkennt keinen Oberherren an", ergänzte er und zeigte damit auf, dass ungerechtes Verhalten einer Mehrheit nicht das Maß aller Dinge sein muss, solange man sich seines eigenen Verstandes noch bedienen kann. Das sollte die einzig positive Bilanz sein, die man aus diesem Trauerstück der Demokratie in der Bad Hersfelder Stadthalle ziehen konnte.
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