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„Ich bin sehr verärgert“ PDF Druckbutton anzeigen? E-Mail
Freitag, den 28. Oktober 2011 um 15:16 Uhr

Christian Grunwald (CDU)Die Schließung der Alheimer Kaserne ist beschlossen. Im KLARTEXT-Interview bezieht nun Rotenburgs zukünftiger Bürgermeister Christian Grunwald Stellung.

KLARTEXT: Herr Grunwald, es steht nun fest, dass die Alheimer Kaserne geschlossen wird. Wie haben Sie die Nachricht aufgefasst?

Grunwald: Die Mitteilung über die Standortschließung hat mich am Dienstagabend aus Berlin erreicht. Ich bin sehr enttäuscht und gleichzeitig verärgert über die Entscheidung. Das vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass hier gerade Millionen Euro an Steuergeldern für eine Sanierung des Standorts investiert wurden und werden.

KLARTEXT: Wie erklären Sie sich diesen negativen Beschluss aus Berlin?

 

Grunwald: Kurz gesagt: Überhaupt nicht! Gerade unter dem Gesichtspunkt der Sanierung des Standorts und der damit einhergehenden Herstellung der Infrastruktur auf dem Stand der Technik für einen modernen Militärstützpunkt ist für uns vor Ort diese Entscheidung bei allem Verständnis für die Intention der Bundeswehrstrukturreform nicht nachvollziehbar.

 

KLARTEXT: Wurde seitens der heimischen Politiker zu wenig für den Erhalt der Kaserne getan?

Grunwald: Über die Parteigrenzen und die politischen Ebenen hinweg haben sich viele Menschen für unseren Standort eingesetzt. Ich kann angesichts der mir bekannten Bemühungen allein in den letzten Tagen vor der Entscheidung des Verteidigungsministers nicht erkennen, dass nicht zumindest alles im Rahmen der jeweiligen Möglichkeiten liegende versucht wurde, die Alheimer Kaserne zur retten.

KLARTEXT: Rotenburgs noch amtierender Bürgermeister Fehr weist nun die Schuld der Kasernenschließung der CDU zu. Könnte er damit Recht haben?

Grunwald: Ich bin kein Freund von parteipolitischen Schuldzuweisungen. Auch unter SPD-Verteidigungsministern wurden Kasernen in unserer Region geschlossen, was ebenfalls durch keinen Lokalpolitiker zu verhindern war. Ich halte mich daher nicht mit öffentlichen parteitaktischen Abrechnungen über Schuld oder Unschuld auf sondern richte den Blick auf die für Rotenburg nun dringend notwendigen Maßnahmen für eine erfolgreiche Konversion des Standorts und für eine Abmilderung der negativen Auswirkungen des Truppenabzugs für unsere Stadt und die Region.

KLARTEXT: Als zukünftiger Bürgermeister fallen Auflösung und Neuvermarktung des Standortes nun in Ihre Amtszeit. Wie wollen Sie diese Herausforderung angehen?

Grunwald: Wir müssen nun in alle Richtungen realistischer Nachnutzungsmöglichkeiten des Kasernengrundstücks denken. Erste Handlungsansätze und Ideen gibt es bereits, nun müssen wir in Verhandlungen und Gesprächen mit dem Bund und möglichen Partnern und Interessenten schauen, was machbar aber auch wünschenswert ist. Ich werde mich in jedem Fall mit aller Kraft dafür einsetzen, dass wir die Kasernengebäude eben nicht zu Bauruinen verkommen lassen sondern sie nach dem Weggang der Bundeswehr in einigen Jahren möglichst übergangslos von attraktiven Nachnutzern bezogen werden. Dafür werden wir sowohl das Land als auch den Bund in die Pflicht nehmen, uns – wie bereits öffentlich von Ministerpräsident Bouffier zugesagt – bei unseren Bemühungen nachhaltig zu unterstützen. Zusammen mit den Bürgerinnen und Bürgern und den Gewerbetreibenden von Rotenburg erwarte ich nach dieser für unsere Stadt katastrophalen Entscheidung nun ganz klar mehr als warme Worte aus Berlin und Wiesbaden.

Das Interview führte Johannes Hofsommer

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